Was darf Bürgerkultur in Villingen-Schwenningen kosten?

Wir fordern 1% des städtischen Kulturbudgets
als Bar­zuschuss für die Live-Veranstaltungen in der Scheuer.
­

Aktuell: Einladung zur Podiumsdiskussion

Dienstag, 21. Mai 2019 um 20:00 Uhr in der Scheuer

Im April sind wir mit unserer Initiative an die Öffentlichkeit getreten und haben bereits breite Zustimmung und Unterstützung erfahren.
Doch wie geht es damit nun in der Scheuer weiter? Wie stehen Stadtverwaltung und Gemeinderat zu unserer Forderung? Darüber wollen wir im Rahmen einer Podiumsdiskussion sprechen und dabei natürlich auch Fragen aus dem Publikum beantworten.

Ihre Teilnahme zugesagt haben:

Andreas Dobmeier (Kulturamt)

sowie die Gemeinderats-Kandidat*innen

Frank Bonath (FDP)

Ulrike Heggen (Freie Wähler)

Katharina Hirt (CDU)

Constanze Kaiser (Grüne)

Nicola Schurr (SPD)

Der Eintritt ist frei.

 

 

Sind wir das Stiefkind der öffentlichen Kultur?

Vieles von dem, was vor 50 Jahren noch als „Jugendkultur“ marginalisiert wurde, hat heute einen festen Platz im Kulturangebot vieler Städte. Nicht nur die Anbieter, auch das Publikum ist zu einem guten Teil längst dem jugendlichen Alter entwachsen. Für diese neueren Kulturformen leisten sich viele Städte freie, selbstverwaltete Kulturzentren, in denen Veranstaltungen und Initiativen eine Heimat finden konnten und statten diese Kulturzentren mit einer finanziellen Förderung aus, die ihrer Bedeutung gerecht wird.

Nicht so in Villingen-Schwenningen. Hier ist die tatsächliche Unterstützung dieser Kulturformen durch die Stadt mehr als stiefmütterlich und geradezu erbärmlich.

In der Villinger Scheuer finden seit über 40 Jahren Konzerte und andere Live-Veranstaltungen statt. Die Veranstaltungen, die wir hier in rein ehrenamtlicher Arbeit anbieten, werden vom kulturinteressierten Publikum ebenso wahrgenommen wie jene, die vom Kulturamt ausgerichtet werden. Doch die Fördergelder, die uns für die Programmgestaltung zur Verfügung gestellt werden, machen nur einen winzigen Bruchteil der öffentlichen Zuschüsse für die Veranstaltungen des Kulturamts aus. Während dort jede verkaufte Eintrittskarte mit über 25 Euro subventioniert wird, macht der Zuschuss je Besucher bei unseren Veranstaltungen meist kaum mehr als einen Euro aus.
In einer vor zwei Jahren veröffentlichten Studie zur Stadtentwicklung wurde deutlich ausgesprochen, dass die freien Kulturveranstalter gestärkt werden sollten, unter anderem auch, weil diese Vereine durch ehrenamtliches Engagement kostengünstiger arbeiten als die kommunale Verwaltung. Bis heute ist diese Forderung jedoch beharrlich ignoriert worden. Auch wenn wir als Vereine Veranstaltungen mit weniger Zuschussbedarf anbieten können, muss klar sein: Ganz ohne Förderung oder mit solchen Minimalbeträgen, wie sie uns in dieser Stadt zugestanden werden, geht es nicht.

Dieses Ziel soll erreicht werden durch Ausweitung der städtischen Subventionen im Bereich der Kultur oder durch Umverteilung der vorhandenen Mittel.
Ein Prozent sind sicher keine überzogene und unbescheidene Forderung, denn die Bedeutung, die wir für das Kulturangebot in Villingen-Schwenningen haben, liegt sicherlich wesentlich höher. Und wenn die „alternative“ Kultur wie sie in der Scheuer stattfindet bei den Subventionen nicht einmal 1 Cent von jedem Euro wert ist, den die Stadt für Kulturförderung ausgibt, ist dies nicht nur eine Missachtung des ehrenamtlichen Engagements, sondern auch eine schallende Ohrfeige für das Publikum, welches diese Veranstaltungen besucht und schätzt.

Wofür werden die Zuschüsse an die Kultur verwendet?

In Villingen-Schwenningen werden von der Stadt jedes Jahr einige Millionen Euro für Kultur ausgegeben. Zu Recht, denn Kultur ist ebenso wie Bildung kein Bereich, der sich selbst finanzieren kann oder gar Gewinne abwirft. Davon werden nicht nur Museen erhalten, sondern auch Musik- und Gesangsvereine etc. unterstützt. Das Geld fließt aber auch in Subventionen für Konzert- und Theaterveranstaltungen. Kaum jemand wäre bereit oder in der Lage, die Preise für Eintrittskarten ins Theater am Ring oder ins Franziskaner-Konzerthaus zu bezahlen, wenn diese kostendeckend arbeiten müssten. Ohne öffentliche Zuschüsse würden solche Veranstaltungen gar nicht mehr stattfinden. Insgesamt ist die Kulturförderung dieser Stadt ca. 5,5 Millionen Euro im Jahr wert.
Mit der Neckarhalle in Schwenningen und dem Jugendkulturzentrum am Klosterhof kommen 2019 zwei weitere Veranstaltungsstätten hinzu. Allein für den Betrieb des letztgenannten fallen jährliche Kosten von knapp 170.000,- Euro an. Der Barzuschuss für den Folk-Club hingegen wurde seit 1986 nicht mehr erhöht, sondern merfach gekürzt und beträgt derzeit noch 2.800,- Euro jährlich. Über Jahrzente hinweg wurde der einstmals europaweit renomierte Club kaputt gespart. Rock-Club und Innenhof-Festival erhalten keinerlei öffentliche Barzuschüsse.
Als dem Folk-Club durch eine neue Lärmschutzregelung die Möglichkeit genommen wurde, defizitäre Konzertveranstaltungen durch größere Veranstaltungen auszugleichen, gingen hier 2019 vorerst die Lichter aus. Ein Weiterbestehen ist in der derzeitigen Lage nur möglich, wenn die städtischen Zuschüsse massiv ausgeweitet werden, sodass das für einzelne Veranstaltungen vorhandene Budget demjenigen für vergleichbare Veranstaltungen des „Amtes für Kultur” zumindest halbwegs ebenbürtig ist.

Was kostet »alternative Kultur« ?

Ein Vergleich des Kulturzentrums Scheuer, in dem Folk-Club und Rock-Club Konzerte veranstalten, mit den vom städtischen Kulturamt ausgerichteten Konzertveranstaltungen macht deutlich was „alternative Kultur” kostet:

Konzertveranstaltungen 2018:

 Kulturamt1Scheuer2
Anzahl Veranstaltungen2955
Besucher9.3004.530
Zuschuss pro Besucher€ 27,23€ 1,60

1  nur Konzertveranstaltungen
    (Sinfoniekonzerte, Kammerkonzerte, Jazz-, Gospel-, Popkonzerte, Kinder- und Jugendkonzerte)
    Quelle: Haushaltsplan Villingen-Schwenningen 2018, S. 492
2  nur Folk-Club, Rock-Club, Innenhof-Festival

Mit einem Bruchteil der Mittel, die dem Kulturamt zur Verfügung standen, haben wir in der Scheuer fast 50 Prozent der Besucher von vergleichbaren Veranstaltungen des Kulturamtes erreicht.

Ein Barzuschuss von einem Prozent der gesamten städtischen Kulturförderung würde damit einem Zuschuss von etwa 12 Euro je Scheuer-Besucher entsprechen – also immer noch weniger als die Hälfte der Aufwendungen für eine vom  Kulturamt verkaufte Eintrittskarte!

Weil wir der Meinung sind, dass ein vielfältiges Kulturprogramm für eine lebenswerte Stadt nicht nur eine sogenannte „freiwillige Leistung“ ist, sondern absolut not­­wendig, engagieren wir uns bereits seit Jahrzehnten ehrenamtlich dafür, Veranstaltungen zu organisieren, die sonst nicht stattfinden würden. Aber ebenso wenig wie das „Amt für Kultur“ können auch wir diese Veranstaltungen kostendeckend anbieten. Auch wir sind auf öffentliche Zuschüsse angewiesen. Doch leider mussten wir uns bisher mit Brosamen begnügen.